Die Zwergseeschwalbe

Kennzeichen

Die Zwergseeschwalbe ist die kleinste der europäischen Seeschwalben. Mit ihren sehr schmalen Flügeln rüttelt sie oft lange und in niedriger Höhe über dem Wasser. Die charakteristische weiße Stirn ist zur Brutzeit von einem klar abgegrenzten schwarzen Zügelstreif umgeben. Die Beine sind orangegelb; ebenso der Schnabel, der an der Spitze schwarz ist. Außerhalb der Brutzeit sind Beine und Schnabel schwärzlich gefärbt und die Zügel an der Stirn sind weißlich. Jungvögel haben einen dunklen Schnabel mit schmutzig gelber Basis und ein dunkelgelb geschupptes Gefieder. Im Flug können sie aufgrund ihrer Größe, der leichten Flugweise und dem dunklen Vorderflügelrand (äußere Handschwingen) gut von den anderen Seeschwalbenarten unterschieden werden.

  • Adulte Zwergseeschwalbe. © Fiete Strube

Brutbiologie und Lebensraum
Zwergseeschwalben sind an den Küsten der Nord- und Ostsee verbreitet und nutzen, ähnlich wie Sand- und Seeregenpfeifer, v.a. Primärdünengebiete, Strandwälle, vegetationsarme Sand- und Muschelschillflächen, aber auch steinige Kiesflächen zum Brüten. Im Gegensatz zum Sandregenpfeifer sind Zwergseeschwalben mittlerweile nicht mehr flächig verbreitet, sondern kommen nur noch in wenigen, meist ungestörten Gebieten vor. Nistplätze werden oft unmittelbar an der Hochwasserlinie angelegt. Die Binnenlandvorkommen erstrecken sich meist entlang von Flüssen, wo sie u.a. auf Sandbänken und flachen Schlamminseln brüten, lokal auch an flachen See- oder Flussufern und an Kiesseen.

Als Nest dient eine flache Bodenmulde auf kahlem Untergrund, die z.T. im Schutz von Pflanzen oder Steinen angelegt wird. Zwergseeschwalben brüten in kleinen, lockeren Kolonien und sind dabei häufig mit Fluss- bzw. Küstenseeschwalben oder See- bzw. Sandregenpfeifern vergesellschaftet. Ab Mitte Mai werden zwei bis drei gut getarnte Eier gelegt, die 20–22 Tage lang bebrütet werden. Nachgelege können bis Mitte Juli auftreten. Die Küken werden häufig vom Nest weggeführt und sind nach 28 Tagen flügge. Anders als die Küken von Sand- und Seeregenpfeifer, die vom ersten Tag an eigenständig auf Nahrungssuche gehen, werden die Zwergseeschwalbenküken von den Altvögeln gefüttert. Zwergseeschwalben sind sehr sensitiv gegenüber Störungen und fliegen bereits auf großer Distanz auf, wobei in Kolonien häufig alle Altvögel auffliegen.

Nahrungsverhalten
Zwergseeschwalben ernähren sich hauptsächlich von kleinen Fischen und Krustentieren. Bei der Nahrungssuche jagen sie meist niedrig über dem Wasser und stürzen sich nach ausdauernden Rüttelflügen ins Wasser. Im Vergleich zu Fluss- und Küstenseeschwalbe finden diese Rüttel- und Sturzflüge rastloser bzw. in häufigerem Wechsel statt.

 

Zugverhalten
Zwergseeschwalben sind Langstreckenzieher, die in Westafrika überwintern, teilweise aber auch bis nach Südafrika ziehen. Der Abzug aus dem Wattenmeer findet z.T. schon ab Mitte Juni statt, wobei Jungtiere oft noch längere Zeit im Familienverband bleiben. Der Zug findet überwiegend entlang der Küsten statt, nur selten gibt es Beobachtungen aus dem Binnenland.