Kennzeichen
Der Seeregenpfeifer (Anarhynchus alexandrinus) ist ein hochbeiniger und dünnschnäbliger Watvogel mit dunklen Augen ohne Augenring. Anders als beim etwas größeren Sandregenpfeifer mit seinen orangenen Beinen, sind die Beine des Seeregenpfeifers schwärzlich, ebenso sein Schnabel. Das Rückengefieder ist gräulich bis sandfarben (heller als beim Sandregenpfeifer), der Bauch weiß. Im Gegensatz zum Sandregenpfeifer hat der Seeregenpfeifer kein geschlossenes Brustband, sondern nur kleine, dunkle Brustseitenflecken (beim Männchen sauber schwarz, beim Weibchen verwaschen graubraun). Zur Brutzeit hat das Männchen einen rostbraunen Scheitel und Nacken, das Weibchen hat keine oder nur eine gering ausgeprägte rostbraune Färbung am Scheitel. Außerhalb der Brutzeit sind die seitlichen Brustflecken bei beiden Geschlechtern graubraun und das Nackenband durchgehend weiß. Jungvögel haben eine ähnliche Gefiederfärbung wie Vögel außerhalb der Brutzeit, aber die Abzeichen am Kopf und an den Brustseiten sind blasser. Außerdem haben die Federn an den Rändern helle Streifen (das Rückengefieder wirkt dadurch fein geschuppt).
Brutbiologie und Lebensraum
In Deutschland sind die Brutgebiete des Seeregenpfeifers auf die Nordseeküsten beschränkt. Sie besiedeln dort bevorzugt Primärdünengebiete, Strandwälle sowie Sand- und Muschelschillflächen mit lückiger Vegetation. Das Hauptvorkommen liegt in den Speicherkögen. Dort werden kurzrasige Weideflächen und steppenartige Salzwiesenflächen mit großen Salzpfannenbereichen genutzt. Strukturreichtum und eine geringe Entfernung zu Misch- und Sandwattflächen sowie generell zu Wasser- und Schlammflächen werden bevorzugt. Als Nest dient eine flache Bodenmulde, die häufig in der Nähe von einzelnen Vegetationsbüscheln, Treibgut oder alten Kuhfladen angelegt wird. Seeregenpfeifer sind meist Einzelbrüter, gelegentlich kommt es jedoch auch zu kolonieartigem Brüten (dann häufig Vergesellschaftung mit Zwergseeschwalben).
Ab Mitte April bis Ende Juni werden zumeist drei gut getarnte Eier gelegt, die 23–29 Tage lang bebrütet werden (tagsüber überwiegend vom Weibchen, nachts überwiegend vom Männchen). Die Küken sind Nestflüchter, die ihr Nest kurz nach dem Schlupf verlassen und nach etwa 30 Tagen flügge sind. Brutvögel verlassen den Nestbereich, indem sie geduckt weglaufen und erst in größerer Entfernung zum Nest wieder aufrecht laufen. Familien können auch mit kleinen Küken Wanderungen von bis zu 1 km zurücklegen. Als Anpassung an instabile Umweltbedingungen können sich Seeregenpfeifer über große Entfernungen umsiedeln, bei Brutverlusten auch innerhalb einer Brutsaison. Weibchen verlassen in der Regel früher das Brutgebiet.
Anders als bei Sandregenpfeifern und Zwergseeschwalben kommt es bei Seeregenpfeifern neben einer monogamen Saisonehe regelmäßig auch zu Polygynie und serieller Polyandrie. Bei der Polygynie verpaart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen, während bei der seriellen Polyandrie das Weibchen die nicht flüggen Jungvögel verlässt, um sich neu zu verpaaren. Das Männchen führt dann die Jungvögel bis diese flügge sind.