Der Sandregenpfeifer

Kennzeichen

Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) sind etwas größer als Seeregenpfeifer, haben jedoch kürzere Beine und einen nicht ganz so dünnen, orangenen Schnabel mit schwarzer Spitze. Die Beine sind zudem nicht schwärzlich, sondern orange. Rücken und Kopf des Sandregenpfeifers sind graubraun mit weißer Nackenbinde. Der charakteristische schwarze Halsring ist deutlich erkennbar und im Gegensatz zum Seeregenpfeifer geschlossen. Die typische Augenmaske und der schwarze Halsring sind zur Brutzeit gut erkennbar und beim Männchen besonders rein und intensiv gefärbt, während sie beim Weibchen etwas blasser und ggf. bräunlich sind. Im schnellen Flug mit den typischen schneidigen Flügelschlägen ist der breit weiße Flügelstreif gut zu erkennen.

Außerhalb der Brutzeit sind die Beine oft weniger intensiv orange gefärbt, die Augenmaske ist verblasst und der Schnabel wird dunkel. Jungvögel haben eine ähnliche Gefiederfärbung wie Vögel außerhalb der Brutzeit, aber das Brustband ist schmaler und offen anstatt geschlossen. Die Beine sind mattorange bis gelblich und die Federn haben an den Rändern helle Streifen (das Rückengefieder wirkt dadurch fein geschuppt).

Verwechslungsgefahr besteht höchstens mit dem Flussregenpfeifer, dessen Gefieder ähnlich gefärbt ist wie das des Sandregenpfeifers. Im Gegensatz zu diesem ist der Flussregenpfeifer jedoch kleiner und schmaler, Beine und Schnabel sind im Brutkleid nicht orange gefärbt und er trägt einen gelben Lidring um das Auge. Im Schlicht- und Jugendkleid ist vor allem der schmalere Schnabel, ein diffuserer Überaugenstreif und die spitz zulaufende, nun bräunliche Maske, unter dem Auge artbestimmend.

  • Sandregenpfeifer. © Fiete Strube.
    Sandregenpfeifer-Männchen im Prachtkleid. © Fiete Strube

Brutbiologie und Lebensraum

Sandregenpfeifer sind an den Küsten der Nord- und Ostsee verbreitet und nutzen, ähnlich wie die Seeregenpfeifer, v.a. Primärdünengebiete, Strandwälle sowie Sand- und Muschelschillflächen mit lückiger Vegetation zum Brüten. Anders als Seeregenpfeifer legen Sandregenpfeifer ihr Nest nicht nur auf sandigen, sondern auch auf steinigen Kiesflächen an. An der Nordseeküste brüten sie auch auf lückig bewachsenen Bereichen in Großeindeichungen (Kögen), an der Ostseeküste auch auf den Boddeninseln. Sandregenpfeifer kommen z.T. auch weiter im Binnenland vor, wo sie meist auf wiedervernässten Torfabbauflächen, entlang von großen Flussauen oder an großen Binnenseen mit vegetationsarmen Ufern, auf feuchten Ackerflächen (v.a. Mais), aber auch auf Küstenschutzbauwerken und Pionierflächen zu finden sind.

Als Nest dient eine flache Bodenmulde, die z.T. im Schutz von Pflanzen oder Steinen angelegt wird. Sandregenpfeifer sind Einzelbrüter, sie sind aber auch mit Seeschwalben bzw. Seeregenpfeifern vergesellschaftet. Ab Mitte März bis Anfang Juli (Nordsee: Mitte März bis Anfang Juli; Ostsee: Ende März bis Ende Juli) werden zumeist drei bis vier gut getarnte Eier gelegt, die 21–28 Tage bebrütet werden. In einer Brutsaison sind bis zu vier Nachbruten möglich. Die Küken sind Nestflüchter, die ihr Nest kurz nach dem Schlupf verlassen und nach etwa 24 Tagen flügge sind. Unter sehr günstigen Bedingungen kann nach Beendigung der ersten Brut eine zweite Brut begonnen werden. Brutvögel verlassen den Nestbereich, indem sie geduckt weglaufen und erst in größerer Entfernung zum Nest wieder aufrecht laufen.

Nahrungsverhalten

Bei der Nahrungssuche bewegen sich Sandregenpfeifer in der Regel langsamer fort als Seeregenpfeifer und sind weniger rastlos unterwegs (sie verharren länger auf einer Stelle und picken langsamer). Die Nahrung besteht aus Insekten, Krebsen, Würmern, kleinen Schnecken und Muscheln sowie Larven.

Zugverhalten

Die in Deutschland brütenden Sandregenpfeifer sind Kurz- bis Langstreckenzieher und ziehen im Herbst nach Westeuropa (v.a. Großbritannien und die Iberische Halbinsel) und Nordwestafrika. Auf dem Durchzug sind sie auch im Binnenland in größeren Trupps v.a. auf Schlammflächen zu beobachten. In milden Wintern überwintern sie immer häufiger in der südlichen Nordsee. Im Frühjahr kehren die ersten Individuen bereits im Laufe des Februars in ihre Brutgebiete zurück.