Im Rahmen verschiedener Schutzprojekte wurden in den letzten Jahren mehrere hundert Sand- und Seeregenpfeifer durch Mitarbeitende des
Michael-Otto-Instituts im NABU in Bergenhusen sowie des NABU Wallnau auf Fehmarn und am nahen Festland beringt. Jedes Individuum hat dabei eine einzigartige Kombination verschiedener Farbringe bekommen.
Durch Wiedersichtungen können verschiedene populations- und brutbiologische Fragestellungen bearbeitet und der Bruterfolg in verschiedenen Gebieten exakt ermittelt werden. Beispielsweise kann durch Beringung das Überleben bzw. die Lebensdauer nachverfolgt und basierend darauf Populationsmodelle erstellt werden. Mithilfe der Ermittlung des Bruterfolgs kann zudem die Wirksamkeit von Naturschutzmaßnahmen überprüft werden. Ablesungen farbberingter Individuen sind daher von hohem Wert für die Naturschutzbiologie und helfen beim Schutz bedrohter Arten.
Beringungsschemata der Arten
Seeregenpfeifer aus dem Beringungsprojekt des NABU tragen am linken Tarsus (unterhalb des Beingelenks) einen Metallring und darüber einen Farbring. Am rechten Bein tragen sie am Tarsus zwei Farbringe und an der Tibia (oberhalb des Beingelenks) einen Farbring. Verwendete Farben sind gelb, orange, rot, grün, hellblau (sieht aus der Ferne aus wie weiß), schwarz und violett (nur an der Tibia). Der Ring an der rechten Tibia ist entweder gelb, hellblau oder violett.
Sandregenpfeifer tragen einen Farbring an der linken Tibia (oberhalb des Beingelenks), den Metallring an der rechten Tibia sowie j*e zwei Farbringe am linken und rechten Tarsus (unterhalb des Beingelenks). Verwendete Farben sind schwarz, grün, weiß, rot und violett. Schwarze und rote Tibiaringe verweisen auf ein Individuum, das an der Nordsee beringt wurde. Weiße, grüne und violette Ringe an der Tibia stammen von Vögeln mit Beringungsorten an der Ostsee.
In Deutschland beringte Zwergseeschwalben tragen einen grünen codierten Farbring mit weißer Schrift am rechten Tarsus (unteres Beingelenk) und einen Metallring am linken Tarsus. Die erste Ziffer des dreiteiligen Codes aus Buchstaben/Zahlen beginnt immer mit: H, J, N, S, U, X, Y oder Z.
Ablesung der Ringe
Projektintern werden die Farbringe der Regenpfeifer jeweils von unten nach oben, beginnend mit dem linken Bein abgelesen. Alternativ kann die Lage der Ringe beschrieben werden.
Bei Zwergseeschwalben ist die Position des Farbrings, die Farbe und der Code entscheidend, um das Individuum korrekt zuordnen zu können.
Meldung der Ringe
Notieren Sie sich bei Sichtungen möglichst das Datum, den Ort mit GPS-Koordinaten, die Farbringkombination bzw. den Code und, wenn möglich, Alter / Geschlecht und Brutstatus.
Sichtungen nach dem oben beschriebenen Farbringschema können Sie gerne an folgende Mail-Adressen schicken:
Regenpfeifer: rings@strandbrueter.de
Zwergseeschwalben: u.berthelsen@albifrons.dk
Wenn Sie eine andere Ringkombination entdeckt haben und sich nicht sicher sind, aus welchem Projekt der Vogel stammt, können Sie unter www.cr-birding.org und/oder unter www.waderstudygroup.org/projects/colour-marking/the-register/ (nur Watvögel) das Projekt herausfinden. Auch die zuständigen Vogelwarten (Helgoland, Hiddensee, oder Radolfzell) können Ihnen weiterhelfen.
Spezialfall Beloggerung
Wenige Vögel bekommen zusätzlich zu den Farbringen einen Datenlogger, mit welchem die Positionsdaten aufgenommen und im Gerät gespeichert werden können. Dies hat den Vorteil, dass die Bewegungen des Vogels um ein Vielfaches hochauflösender aufgenommen werden. Während Farbringablesungen auf dem Zug höchstens etwas über die Rastplätze oder Überwinterungsgebiete verraten, können Datenlogger u.a. Informationen zu Zugwegen und Aufenthaltsdauern liefern.
Dabei wird streng darauf geachtet, dass die Geräte nicht mehr als 3–5 % des Körpergewichts des Vogels ausmachen und diesen in seinem natürlichen Verhalten nicht beeinträchtigen.
Je nach Datenlogger muss der Vogel wieder gefangen werden, um die Daten auslesen zu können. Neuere im Projekt eingesetzte Geräte haben Solarpanele (längere Energieversorgung) und können die Daten per Bluetooth an eine Empfangsstation übermitteln, sobald sich der Vogel in der Nähe aufhält.
Genaueres über die Methode wird in folgendem Video aus einem Vorgängerprojekt erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=82DMEL9yso0