Elektrozäune

Elektrozäune sind Zaunsysteme, die unter Strom gesetzt werden, um einen bestimmten Bereich vor dem Eindringen von Bodenprädatoren wie Rotfuchs, Marderhund und Steinmarder zu schützen. ‚Das A und O‘ der Zäune ist natürlich die Stromversorgung. In vielen Strandbereichen wird diese mithilfe einer Kombination aus Solarzellen und Autobatterien (als Speichermedium) gewährleistet. Der Strom muss jedoch regelmäßig kontrolliert werden, entweder mithilfe von manuellen Strommessgeräten oder durch festinstallierte Überwachungssensoren am Zaun, die durch Funk die Spannung übermitteln können. Denn ist der Zaun an einer Stelle durchlässig, haben Prädatoren diese Stelle innerhalb weniger Stunden gefunden und der Schaden kann, insbesondere bei koloniebrütenden Arten, verheerend sein. Um einen Wirksamkeitsverlust zu verhindern, müssen die Elektrozäune möglichst frei von Vegetation gehalten werden. Die Spannung sollte an der schwächsten Stelle bei mind. 3000 V liegen, damit der Zaun sicher ist. Elektrozaun ist jedoch nicht gleich Elektrozaun. Sie lassen sich hinsichtlich ihrer Standdauer und damit auch ihrer Stabilität unterscheiden. Die Übergänge können dabei fließend sein.

Als mobile Elektrozäune werden häufig Schafszäune eingesetzt. Sie haben den Vorteil, dass sie räumlich und zeitlich sehr flexibel aufgestellt und abgebaut werden können und damit eine schnelle Reaktionszeit möglich machen. Allerdings sind sie nicht so stabil und auch nicht so wirksam wie die anderen Zauntypen.

Halbstationäre Zäune haben meist feste Stützpfeiler, z.B. aus Holz, die in den Boden eingebracht werden. Sie werden wie die mobilen E-Zäune vor Beginn der Brutzeit errichtet und gegen Ende der Brutzeit wieder abgebaut. Sie sind deutlich stabiler als die Mobilzäune, ihre Installation ist jedoch um ein Vielfaches aufwändiger. An den Pfeilern wird meist Schafszaun befestigt. Ergänzend werden oft zusätzliche Stromlitzen eingesetzt. Diese werden durch Abstandshalter an den Pfosten fixiert und sollen ein Untergraben und Überklettern bzw. Überspringen verhindern. Wichtig ist, dass die Litzen in den richtigen Höhen und Abständen eingesetzt werden. Zu tief angebracht, wird ein Versanden und damit ein Spannungsverlust provoziert.

  • Halbstationärer Elektrozaun im NSG Oehe-Schleimünde. © Melanie Theel

Fest installierte E-Zäune können über mehrere Jahre hinweg eingesetzt werden. Auch sie haben fest installierte Stützpfeiler aus Holz oder Metall (Stahl). Das Zaunmaterial besteht meistens aus einem Stahlgitter. Die Litzen werden wieder in verschiedenen Höhen angebracht und stehen unter Strom. Viele Zäune haben als zusätzlichen Schutz gegen ein Überklettern einen Überhang.

Hinweise zu Elektrozäunen 

    • Zaunprojekte müssen mit den Naturschutzbehörden, Nationalparkverwaltungen, Tourismusverbänden und sonstigen Stakeholdern abgesprochen werden. An öffentlichen Stränden werden sie sehr selten genehmigt.
    • Elektrozäune sollten spätestens dann aufgestellt werden, wenn die ersten Vögel brüten. In traditionellen Brutgebieten können sie auch bereits kurz vor der Brutzeit installiert werden.
    • Die unterste Litze bzw. der unterste Strang eines Elektrozauns sollte isoliert werden, um Spannungsverluste zu verringern und Gefahren für geschlüpfte Küken (Stromschlag) auszuschließen.
    • Elektrozäune sollten täglich kontrolliert werden, um die Stromführung zu überprüfen und um Gegenstände, die sich im Zaun verhangen haben (z.B. Algen oder Treibsel) zu beseitigen. In öffentlichen Gebieten (z.B. touristisch genutzten Stränden) müssen Elektrozäune täglich kontrolliert werden.
    • Stromführung und Erdung müssen immer gewährleistet sein, damit Raubsäuger (z.B. Füchse und Marderhunde) beim ersten Kontakt abgeschreckt werden.
    • In besonders exponierten Gebieten, z.B. direkt am Strand, sollte der Elektrozaun durch Pfähle in engem Abstand stabilisiert werden, da der Zaun sonst schnell umkippen und beschädigt werden kann.
    • Die Pfähle sollten an der Oberseite mit Spanndraht versehen werden, damit sie keinen Ansitz für Greifvögel, Krähen und Möwen darstellen.

Eine ausführliche Anleitung zu verschiedenen Prädatorenzäunen wurde durch den RSPB veröffentlicht: „The Predator Exclusion Fence Manual: Guidance on the use of predator exclusion fences to reduce mammalian predation on gound-nesting birds on RSPB reserves“ (Hirons & White 2019).