Biologie der Strandbrüter

Strandbrüter wie Seeregenpfeifer, Sandregenpfeifer und Zwergseeschwalbe haben sich perfekt an die herausfordernden Bedingungen dynamischer Küstenlebensräume angepasst. Sie bevorzugen offene, vegetationsarme Flächen wie Sandstrände, Dünen, Kiesbänke und kurzrasige Salzwiesenflächen, die durch Wind, Wellen und Gezeiten ständig verändert werden. In diesen Lebensräumen können sie gut getarnt brüten und haben direkten Zugang zu Nahrungsflächen – allerdings erfordern diese Lebensräume auch ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

  • Seeregenpfeifer (Männchen). © NABU/Christoph Moning

Die Wahl des Brutortes ist bei Strandbrütern stark von der Beschaffenheit des Lebensraums abhängig. Durch Erosion, Überflutung oder menschliche Einflüsse wie Tourismus und Küstenbebauungen können Brutplätze schnell ungeeignet werden oder ganz verloren gehen. Auch ein hohes Aufkommen von Prädatoren, beispielsweise durch vom Menschen eingeschleppte Raubsäuger wie Marderhund und Wanderratte, können Gebiete trotz günstiger Habitatstrukturen für Strandbrüter ungeeignet machen. Um auf diese Veränderungen zu reagieren, wechseln die Strandbrüter – allen voran die Zwergseeschwalbe – häufig ihre Brutorte. Diese Mobilität ermöglicht es ihnen, schnell neue Gebiete zu besiedeln, erhöht aber auch den Bedarf an geeigneten, ungestörten Küstenabschnitten, an denen sie brüten können.

  • Typische Lebensräume der Strandbrüter: Primärdünen. © Sebastian Blüm.
    Strandbrüterhabitat: Primärdünen. © Sebastian Blüm

Die Gelege der Strandbrüter bestehen meist aus zwei bis vier Eiern, die gut getarnt direkt auf dem Boden in flache Mulden gelegt werden. Diese Tarnung ist überlebenswichtig, da die offenen Lebensräume nur wenig Deckung bieten. Trotz der Anpassungen sind die Gelege, der Bruterfolg und letztendlich die Populationen der Strandbrüter stark gefährdet: Überflutungen, Prädatoren sowie Störungen und Vertritt durch Menschen oder Hunde können das Überleben der Gelege und Jungvögel stark beeinträchtigen. Zusammen mit einem generellen Verlust geeigneter Lebensräume haben diese Faktoren dazu geführt, dass alle drei Strandbrüterarten in Deutschland vom Aussterben bedroht sind (Ryslavy et al. 2020; siehe „Gefährdungen & Rückgangsursachen“).

Die Bestandsentwicklung der Strandbrüter ist von starken Schwankungen geprägt, insbesondere bei der Zwergseeschwalbe. Extreme Wetterereignisse oder der Verlust von Brutplätzen können lokal zu drastischen Rückgängen führen, z.B. wenn mit nur einem einzigen Hochwasserereignis ganze Kolonien überflutet werden. Gleichzeitig profitieren Strandbrüter in Jahren mit gutem Bruterfolg von ihrer hohen Reproduktionsrate und können dadurch, als vergleichsweise langlebige Küstenvögel, Jahre mit geringem Bruterfolg ausgleichen.

Quelle

Ryslavy, T., Bauer, H.-G., Gerlach, B., Hüppop, O., Stahmer, J., Südbeck, P. & Sudfeldt, C. 2020. Rote Liste der Brutvögel Deutschlands – 6. Fassung, 30. September 2020. Berichte zum Vogelschutz 57: 13–112. https://www.dda-web.de/voegel/rote-liste-brutvoegel